Wolf und Mensch – ein Verhältnis

Das Verhältnis von Wolf und Mensch ist ambivalent. Der Wolf hat keine Probleme mit der Nähe des Menschen und nutzt dessen Eingriffe in die Natur für seine Zwecke (s. „Verhalten“), meidet zugleich den direkten Kontakt – soweit möglich.

Menschen fürchten den Wolf als bedrohliches Raubtier, das Märchen vom Rotkäppchen führt es deutlich vor Augen. In der Gestalt des Werwolfs zeigt sich zugleich eine Faszination und gefühlte Ähnlichkeit zum Menschen. Er ist ein Symbol, dass wir den Wolf zumindest metaphorisch in uns tragen. Die Beziehung ist kulturell stark aufgeladen, mehr als es der Wolf verdient hätte.

Das Zusammenleben von Wolf und Mensch kann weitestgehend reibungslos gelingen. Der Wolf leistet einen natürlichen Beitrag zur Bestandsregulierung des Wilds und grenzt damit Fraßschäden an jungen Bäumen ein. Er hat kein großes Interesse daran, Nutztier zu erlegen (s. "Nahrung"), das Angebot an Wild ist für ihn bequem zu erlegen.

Allerdings ist der Wolf ein Wild- und Raubtier. Ungeschützte Schafherden sind für ihn eine Einladung, bequem an Nahrung zu kommen. Die Rückkehr des Wolfs ist eine Wieder-Verwilderung der Natur. Sie zwingt uns, unachtsame Gewohnheiten zu verändern, aber nicht uns einzuschränken.

Walterince, Wolf on alert, CC BY 3.0

Angriffe von Wölfen auf Menschen sind selten. Meist stellt sich ein vermeintlicher Wolfsangriff als Angriff wilder Hunde heraus. Die verifizierten Wolfs-Angriffe lassen sich meist auf eine Tollwut-Infektion zurückführen. Eine Bedrohung potentielle ist damit nicht ausgeschlossen. Vor allem wenn ein Wolf seine natürliche Scheu vor Menschen verliert (z. B. durch Anfüttern durch Menschen), können sich brenzlige Situationen ergeben. Doch der Normalfall ist ein Angriff des Wolfs auf den Menschen nicht.

Grundsätzlich hilft bei der Begegnung mit dem Wolf (wenn es wirklich ein Wolf und kein Hund ist, s. "Aussehen") selbstbewusste Gelassenheit. Freuen Sie sich darüber, einen Wolf zu Gesicht zu bekommen, ermuntern Sie ihn aber nicht, sich weiter zu nähern. Beobachten Sie das Verhalten. Ignoriert der Wolf Sie und bleibt er auf Abstand, geht keine Gefahr von ihm aus. Neugierige Jungwölfe halten Sie mit Imponierverhalten auf Abstand: Strecken Sie die Brust heraus, nehmen die Arme über den Kopf, und sprechen Sie den Wolf laut und selbstbewusst an. Kombiniert gemessenem Stolzieren verfehlen Sie in den seltensten Fällen Ihr Ziel.

Vorsicht, Prävention und Aufklärung sind der Schlüssel für eine entspannte Ko-Existenz von Mensch und Wolf: "Der Wolf ist ein Beutegreifer. Er ist weder Engel noch Menschen bedrohendes 'Ungeheuer'. Er gehört in unser Land, zu unserer Fauna und Flora und kann hier und dort sogar von großem ökologischem Nutzen sein. Es gibt unzählige Tiere (einschließlich Hunde, die wir lieben und als unser Kulturgut ansehen), die gefährlicher sind als ihre wilden Verwandten. Lassen wir die Wölfe ihr Leben leben, möglichst wenig beeinträchtigt und ohne unzumutbare Einschränkungen." (Bloch/Radinger 2017: S. 133)

Was soll ich tun, wenn ich einem Wolf begegne?

Trotz aller Faszination, die diese majestätischen Tiere ausstrahlen: Unerwartet einem Wolf gegenüberzustehen, ist wohl eine Erfahrung, nach der sich nicht jeder von uns sehnt. Wie verhalte ich mich also bei einer Begegnung?

 

  1. Bewahren Sie Ruhe und vermeiden Sie es, durch hektisches Fluchtverhalten den Jagdtrieb zu stimulieren. Seien Sie sich gewiss: Menschen passen nicht in das natürliche Beuteschema von Wölfen, die in unseren Breiten ein üppiges Nahrungsangebot vorfinden. Naturgemäß würde der Wolf als scheues Tier weniger Interesse an uns Menschen haben als umgekehrt. Es ist aber nicht immer sofort ersichtlich, ob es sich um einen einzelnen Wolf handelt oder ob Sie sich bereits inmitten eines Rudels befinden.
  2. Sollten Sie einen Hund mit sich führen, so leinen Sie ihn bitte umgehend an. Kleine Hunde könnte der Wolf als Beute betrachten, große als Rivalen in seinem Territorium.
  3. Vermeiden Sie angriffslustige Drohgebärden oder das Bewerfen des Tieres mit Gegenständen wie Steinen oder Holzstöcken, solange der Wolf kein Aggressionsverhalten Ihnen gegenüber zeigt.
  4. Am besten benehmen Sie sich so, als hätten Sie das Tier gar nicht bemerkt. Suchen Sie keinen Blickkontakt und setzen Sie Ihren Weg mit aufrechtem Gang und selbstbewussten Schritt in die für Sie sicherere Richtung fort. Sie können dabei mit 
„Imponierverhalten“ wie lautem In-die-Hände-
Klatschen oder kräftigem Auftreten Ihre Souveränität unterstreichen.
  5. Übertragen Sie bitte nicht die vertrauten Verhaltensmuster aus dem Umgang mit Hunden auf einen Wolf. Trotz aller physischen Ähnlichkeit des Stammvaters aller Hunde mit unseren Vierbeinern: unternemen Sie besser keine tollkühnen Streichelversuche.

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