Alles Zirkus? — Das bringen Zirkuslektionen fürs Pferd

Zirkustricks gelten manchen Reitern als überflüssige Spielerei oder sogar als widernatürlich. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das "Herumalbern" liegt den Pferden in der Natur. Zirkuslektionen basieren auf dem natürlich Verhaltensrepertoire von Pferden auf der Koppel. Heidrun Hafen und Nicole Künzel zeigen die positive Wirkung von Zirkuslektionen auf.

Positive Auswirkungen der Zirkusarbeit auf die Pferdepsyche

Zirkuslektionen steigern die körperliche Geschicklichkeit des Pferdes und dadurch sein Selbstvertrauen. Es erlernt neue Bewegungsmöglichkeiten, die es eventuell allein nicht entdeckt hätte, wird mutiger und sein Interesse an der Zusammenarbeit mit dem Menschen steigt ebenfalls. So kann zum Beispiel ein schüchternes und eher rangniederes Pferd, welches in der Herde vielleicht gerade keinen Spielkameraden hat, im Spanischen Schritt sein Imponierverhalten entdecken und ausleben. Oder ein kleines Pony kann beim Stehen auf dem Podest endlich einmal seinen Herdenmitgliedern auf Augenhöhe begegnen.

Durch korrekt ausgeführte Zirkuslektionen sind Pferde zunehmend in der Lage, kreativ mit unterschiedlichen Situationen umzugehen. Das Lern- und Konzentrationsvermögen wird ebenfalls gestärkt. Das Pferd lernt, zu lernen und vermehrt Vorschläge zu machen, statt hektisch zu werden oder den Spaß zu verlieren, weil es gerade nicht weiß, was es tun soll. Durch bestimmte Zirkuslektionen können Sie Ihrem Pferd eine Möglichkeit geben, Verhaltensweisen auszuleben, welche in ihrem gemeinsamen Alltag zu kurz kommen oder sogar unerwünscht sind.

Kennen Sie ein Pferd, welches ständig versucht, auf etwas herumzukauen und sich durch keine erzieherische Maßnahme dauerhaft davon abhalten lässt? Oder eines, das seinen Unmut und seine Ungeduld immer durch ein Scharren zeigt und seine Beine einfach nicht stillhalten kann? Diesen Verhaltensweisen liegt meist ein inneres Bedürfnis oder eine persönliche Veranlagung zugrunde, die sich nicht so einfach unterdrücken lässt.

Im gemeinsamen Spiel mit dem Menschen, zum Beispiel beim Apportieren oder dem Spanischen Schritt, kann dieses Verhalten in geregelte Bahnen gelenkt werden. Da dem Pferd diese Lektionen zusagen, fördern sie die positive Arbeitsstimmung und die Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Oftmals fällt es dem Pferd nun sogar leichter, sich zu beherrschen und in anderen Situationen darauf zu verzichten. Ein sehr ruhiges Pferd, welches eher zäh und langsam wirkt, findet bei den Zirkuslektionen beispielsweise beim Liegen oder dem langen Stehen auf dem Podest eine neue Motivation. Hier lassen sich die sonst aus Menschensicht eher „negativ“ betrachteten Eigenschaften plötzlich sehr positiv werten.

Bei vielen Zirkuslektionen sind wir auf die freiwillige Mitarbeit des Pferdes angewiesen. Ein Pferd lässt sich nicht dazu zwingen, etwas zu apportieren, und das Ablegen oder das Steigen auf ein Podest gelingt nicht mit Druck. Da wir die meisten Zirkuslektionen im Stand erarbeiten, ist das Pferd in der Lage, besser nachzudenken und versteht oft rascher, was wir von ihm wollen. Für uns ist es ebenfalls leichter, die gewünschte Lektion in Einzelkomponenten zu zerlegen und diese zu erarbeiten, als bei komplexeren Anforderungen unter dem Sattel, bei denen unser eigener Körper und die Vorwärtsbewegung des Pferdes dies zusätzlich erschweren. Alle diese Faktoren tragen dazu bei, dass die meisten Pferde viel Begeisterung für die Zirkusarbeit entwickeln, was sich wiederum positiv auf die allgemeine Motivation des Pferdes auswirkt, mit uns zusammenzuarbeiten.

Auch der Mensch bleibt nicht verschont

Beim Erarbeiten von Zirkuslektionen können wir selbst sehr viel über uns und unseren Körper lernen. Wir erlangen mehr Körperkontrolle und schulen das Gefühl für den Einsatz der eigenen Energie. Auch unsere Kreativität, um dem Pferd eine Übung plausibel zu erklären, ist oft gefragt. So lernen wir, uns gut auf unser Pferd einzustimmen, es besser zu verstehen und Stück für Stück zu einer immer feiner werdenden Kommunikation zu gelangen. Selbst wir werden oftmals geduldiger und frustrationstoleranter, weil wir merken, wie viel Mühe das Pferd sich gibt, die richtige Lösung zu finden und dass es nur eine Frage der Zeit ist.

Zirkuslektionen fördern also die Beziehung ungemein. Sie sind eine Möglichkeit, unser Pferd in all seinen Facetten, seinen Eigenarten, Talenten, Sorgen oder Vorlieben besser kennenzulernen und dann in der Folge seine Reaktionen besser einschätzen zu können.

Übungsstimmung beizubehalten, da es meist nicht so wichtig ist, ob das Pferd Kompliment macht oder nicht, während es uns meist vielmehr ausmacht, ob unser Pferd auf Paraden oder Schenkelhilfen reagiert. Solange wir uns neben dem Pferd befinden, fällt es uns viel leichter, zu beobachten und zu analysieren, da unser Körper dabei nicht so komplex gefordert ist wie beim Reiten. So ist es uns möglich, klarere feine Signale zu geben, schneller zu reagieren, verständlicher zu kommunizieren und das Timing des Lobs optimal zu gestalten. Wir können bestimmte Signale schon vom Boden aus integrieren, was zu weniger Harmoniestörungen führt und auch für die Arbeit unter dem Sattel sehr hilfreich sein kann.

Ideen für erste Zirkuslektionen mit Ihrem Pferd gesucht? Probieren Sie mal "Beine kreuzen" und "Decke abziehen".

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