Welpen impfen — Was Sie wissen sollten

Fachtierarzt Dr. Martin Bucksch, beantwortet Ihnen die wichtigsten Fragen rund ums Welpen impfen: Warum Welpen impfen, wann Welpen impfen und wie Welpen impfen.

Warum soll ich meinen Welpen Impfen?

Die Wahrscheinlichkeit für den Welpen, an der entsprechenden Infektion zu erkranken oder gar daran zu sterben (und nicht zuletzt diese auf andere Personen oder Tiere zu übertragen), ist statistisch wesentlich höher als das Risiko, Impfnebenwirkungen zu erleiden.

Ich habe während meiner fast 20-jährigen tierärztlichen Tätigkeit keinen einzigen Hund nachweislich an einer Impfnebenwirkung sterben sehen. Ich habe allerdings während dieser Zeit Hunde an Tierseuchen wie Parvovirose („Katzenseuche“) oder Staupe grausam zugrunde gehen und nach langem, erfolglosen Kampf auf eine Art und Weise sterben sehen, die für jeden Hundehalter sicherlich ein Horrorszenario darstellt.

Ich habe auch Hunde in meiner Praxis, die auf Wunsch des Halters nicht geimpft sind und ein langes, gesundes Leben leben. Diese profitieren jedoch in der Regel von den Impfungen der restlichen Hundepopulation, fahren sozusagen auf dem Bestandsschutz mit.

Welpen impfen: Welche Impfungen sind sinnvoll?

Zu den Core-Komponenten beim Hund gehören die Staupe, Parvovirose (Katzenseuche), Leptospirose, Tollwut sowie die ansteckende Leberentzündung (HCC). Dagegen sollte jeder Welpe geimpft werden.

Wie sieht der Impfplan für meinen Welpen aus?

Die Impfungen des Welpen sollten mit 8, 12 und 16 Wochen erfolgen (s. Tabelle). Hunde, die in einem höheren Alter ihre erste Impfung bekommen, erhalten die Impfungen in denselben Abständen. Ab der 12. Lebenswoche ist beim Welpen jedoch nur eine zweimalige Impfung im Abstand von 3–4 Wochen durchzuführen, gefolgt von einer weiteren Impfung nach 1 Jahr.

Empfohlene Grund-Immunisierung von Welpen

Alter Impfung gegen
8 Wochen Staupe, HCC, Parvovirose, Leptospirose
12 Wochen Staupe, HCC, Parvovirose, Leptospirose
  Tollwut (In den Einreisebestimmungen wird ein Mindestalter von 3 Monaten verlangt)
16 Wochen Staupe, HCC, Parvovirose, Tollwut
  Leptospirose: Nicht vom Bundesverband praktizierender Tierärzte empfohlen, aber z. B. von der schweizerischen Vereinigung für Kleintiermedizin
16 Monate Staupe, HCC, Parvovirose, Leptospirose, Tollwut

Welche Impfungen für den Welpen gibt es noch?

  1. Canines Parainfluenzavirus (Dieses Virus ist am „Zwingerhusten“ beteiligt.): Nur bei Hunden mit viel Kontakt zu Artgenossen (Welpengruppe, Hundeplatz, Tierpension, Tierheim etc.), Impfung 1–4 Wochen vor dem zu erwartenden Kontakt. Bei nasal angewendeten Impfungen tritt im Gegensatz zu den Injektionen der Impfschutz schneller ein.
  2. Bordetella Bronchiseptica (Ebenfalls am „Zwingerhusten“ beteiligt.): Nur bei Hunden mit viel Kontakt zu Artgenossen (wie oben). Impfung erfolgt mindestens eine Woche vor dem zu erwartenden Kontakt.
  3. Canines Herpesvirus und Coronavirus: Welpensterben durch Herpesviren sind in Deutschland extrem selten und die Notwendigkeit einer Impfung daher fraglich. Ein Impfschutz gegen Coronaviren gilt ebenfalls als fraglich.
  4. Mehrere Borreliose-Impfstoffe sind auf dem deutschen Markt erhältlich, die auf unterschiedlichen Borrelientypen basieren. Eine mindestens 3-malige Impfung wird zur Grundimmunisierung empfohlen. Die generelle Wirksamkeit der Impfung kann jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sicher erwartet werden, und aus diesem Grund ist ein wirksamer und idealerweise ganzjähriger Zeckenschutz der Impfung vorzuziehen.
  5. Impfstoffe gegen die Canine Leishmaniose schützen vor dieser Erkrankung, die jedoch nur in Südeuropa verbreitet ist. Dementsprechend sind nur ins Ausland reisende Hunde nach Absprache mit dem Tierarzt zu impfen.

Sind Mehrfachimpfungen sinnvoll?

Die Kosten unterscheiden sich bei Einzelwirkstoffen nicht immer deutlich von den Kombinationspräparaten. Dies bedeutet, dass Mehrfachimpfstoffe, wenn die darin enthaltenen Komponenten sinnvoll und nötig sind, nicht nur einen erheblichen Preisvorteil darstellen, sondern für den Welpen die Anzahl der Tierarztbesuche und den damit verbundenen Stress wesentlich reduzieren helfen, weil die Einzelkomponenten nicht zeitlich voneinander getrennt verabreicht werden müssen. Es existieren bisher keinerlei Hinweise darauf, dass Mehrfachimpfungen, verglichen mit Einzelwirkstoffen, für Welpen schädlich sind oder sonstige Nachteile haben.

Welche Nebenwirkungen können beim Impfen des Welpen auftreten?

Zu sagen, dass Impfungen keine unerwünschten Nebenwirkungen beim Welpen haben können, wäre gelogen. Die Häufigkeit ist jedoch verschwindend gering (eigene Beobachtungen) und zumeist handelt es sich um allergische Sofortreaktionen, die mit Schwellungen, vor allem im Gesichts- und Kopfbereich und/oder Juckreiz einhergehen, relativ plötzlich nach einer durchgeführten Impfung auftreten und mit Antiallergika behandelbar sind bzw. in der Regel selbst unbehandelt innerhalb kurzer Zeit spontan abklingen.

In sehr seltenen Fällen können Impfungen beim Welpen schwere Erkrankungen wie z. B. bestimmte Autoimmunerkrankungen verursachen, die auch lange Zeit nach einer Impfung auftreten können. Die Häufigkeit derartiger Autoimmunerkrankung ist jedoch extrem gering.

Wie lange wirken Impfungen?

Wie gut und wie lange ein Impfstoff den Welpe tatsächlich gegen eine Infektion zu schützen vermag, kann niemals in absoluten Zahlen ausgedrückt oder vorausberechnet werden, da dies von vielen verschiedenen Faktoren abhängt.

Ob ein Individuum nach einer Schutzimpfung eine Infektion erfolgreich abwehren kann, hängt von der Anzahl der Impfantikörper in seinem Körper ab und außerdem vom so genannten Infektionsdruck. Dies ist die Infektionsgefährdung, abhängig von der Anzahl der Erreger (Bakterien, Viren) in der unmittelbaren Umgebung des potenziell für den Erreger empfänglichen Organismus.

Auszüge aus Bucksch, Martin: Kosmos Praxishandbuch Hundekrankheiten. Vorsorge und Erste Hilfe. Krankheiten erkennen und behandeln. Stuttgart 2013. S. 38-44.

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