Ein Plädoyer – für die Belange von Hund und Mensch

Ja, Hunde leben in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Menschen. In ihren Seminaren fügen die Autoren Günther Bloch und Elli H. Radinger gern scherzhaft hinzu: „Selbst schuld. Sie hätten ja Wölfe bleiben können."

Von einem Extrem ins andere

Ein Hundeleben ohne Menschen oder andere Hunde? Erst hieß es, der Hund bilde keine Rudel. Neuerdings muss man Wolf und Hund wieder 1:1 gleichsetzen, weil deren angebliche Rudelstellungen gleich seien. Manche Menschen haben sogar die abstruse Hypothese konstruiert, es sei für Hunde „artgerechter, sie wieder wild und komplett eigenständig raus in die freie Natur zu entlassen“. Das soll die hundliche Alternative zum „Rundumsorglos-Paket“ unter den Fittichen des Menschen sein? Die Domestikationsgeschichte des Hundes spricht jedenfalls eine gänzlich andere Sprache. Der Hund war nämlich konsequent flexibel und anpassungsfreudig, schlau und opportunistisch genug, mit dem Menschen ein Bündnis einzugehen, das ihm deutlich mehr Vorteile als Nachteile bietet. Auf Lebenszeit.

Brauchen Hunde Artgenossen?

Damit umgekehrt auch kein Schuh daraus wird: „Eigentlich“ brauchen Hunde neben festen Menschenkontakten mit Kontinuität sowie neben Bindungsbeziehungen mit Tiefgang, die soziale Sicherheit schaffen, dringend auch Kontakte zu Artgenossen, Groß und Klein, Jung und Alt. Hunde sind bemüht, im Rahmen interaktiver Begegnungen ihre Stimmungen, Absichten und andere sozio-emotionale Belange zu kommunizieren. Dieses gern auch im spielerischen Kontext. Sozialspiele bieten sich an, herauszufinden, wie weit man momentan gehen kann und mit wem man es zu tun hat. In der realen Umwelt des gemeinen Haushundes geht es neben der Befindlichkeit, dem Menschen nahe zu sein, auch um das Erlernen gewisser Bewältigungsstrategien.

Was erwarten Hunde von uns Menschen?

Hunde haben das Bedürfnis nach bezieherischer Konstanz, Sicherheit und Routine, nach viel sozialgeselligem Beisammensein und nach Führung. Wer A sagt, muss auch B sagen. In diesem Sinne erwarten Hunde von ihrem „eigentlich“ verantwortlichen Gruppenführer Mensch, dass dieser soziale Bedürfnisse befriedigt und sie im wahrsten Sinne des Wortes Entwicklungsphase auf Entwicklungsphase tatsächlich durchs Leben führt

Artgerecht für den Hund ist ...

… eng mit dem Menschen zusammenzuleben. Haushunde gehören im Gegensatz zu wilden oder verwildert lebenden Hunden, die sich bestenfalls an das Leben des Menschen „sekundär adaptieren“, mitten hinein in unseren Alltag. So soll es sein!

Wenn es um das Schicksal des Hundes geht, dann genießt der Mensch fast uneingeschränkte Handlungsfreiheit – leider. Da diese Freiheit bedenklicherweise einschließt, „stellungsschwachen“ Hundeindividuen die Zusammenarbeit aufzukündigen und sie ihrem gewohnten sozialen Umfeld zu entreißen, fragen wir uns, wo der moralische Kompass mancher Menschen wohl geblieben ist. Hunde abzugeben, „damit es ihnen woanders besser geht“, heißt, ohne um den heißen Brei herumzureden, sich als Mensch aus der Verantwortung zu stehlen. Einige wenige gerechtfertigte Ausnahmen bestätigen die Regel. Kann es tatsächlich sein, dass „man“ nicht weiß, dass Empathie nichts typisch Menschliches ist, sondern unter anderem auch Hunde die Fähigkeit zu emphatischen Empfindungen besitzen? Sind die einer zwanghaften Trennung von Bindungspartnern zugrunde liegenden Gefühle bis hin zur Depression nicht ausreichend bekannt?

Was Hunde auch nicht verdient haben, ist ...

... ständig aktiv sein zu müssen. Aktionen sind prima. Herumgammeln, Dösen, Schlafen und Träumen auch.

Hunde wissen es zweifellos zu schätzen, zwischenzeitlich einfach mal in Ruhe gelassen zu werden. Alles zu seiner Zeit. Dass wir Menschen gelegentlich Fehler machen, ist ihnen egal. Diejenigen von uns, die vorgeben über sämtliche Belange Bescheid zu wissen, die Hunde rundherum „glücklich“ machen, sind denen vermutlich eher suspekt. Schließlich sind sie selber alles andere als fehlerlos.

Hunde suchen nach Einschätzbarkeit, ...

... denn nichts ist ihnen lieber, als den Handlungen und Aktionen ihrer menschlichen Sozialpartner vertrauen zu können. Belastbare Langzeitbeziehungen mit Hunden basieren auf den gleichen Schlüsselfaktoren, die uns Menschen „eigentlich“ aus dem alltäglichen Beisammensein geläufig sein müssten: Planbarkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen!

Summa summarum sind Hunde daran interessiert, als andersartige vierbeinige Familienmitglieder Akzeptanz zu finden. Dass andauernd an ihnen herummanipuliert wird, finden sie hochgradig gewöhnungsbedürftig. Die gnadenlose Penetranz von uns Menschen, hündische Grundhaltungen und Persönlichkeitsstrukturen, zuweilen (stümperhaft undurchdacht) zu missachten, finden Hunde bestimmt – gelinde gesagt – ein wenig merkwürdig.

Auf der anderen Seite haben wir Hundebesitzer es verdient, unser „Menschending“ durchzuziehen. Menschen und Hunde sind nicht zu hundert Prozent kompatibel. Idealer wäre es, eine Interaktionsbalance zu finden zwischen Konflikt und Zusammenarbeit, zwischen persönlicher Nähe und Distanz, zwischen Neuem und Routine und zwischen Erhaltung und Anpassung. Aber was ist schon ideal?

Was Hunde grundsätzlich wollen, ist gleichsam nachvollziehbar wie hundetypisch: Schnüffeln dürfen wollen sie, auch mal unkommentiert.

Erkunden gehen wollen sie, auch mal selbstständig.
Markieren wollen sie und Kumpels treffen, auch mal ungestört.
Mäuse buddeln wollen sie, auch mal konzentriert.
Wenn irgend machbar, das Ganze auch mal ohne jede „zielführende Anleitung“ durch den Menschen. Und dann wollen sie anschließend wieder mit uns abhängen.

Verrückt, oder? Keineswegs – nur typisch Hund, weil der sich „eigentlich“ nur seiner Art gemäß verhalten würde, wenn wir Zweibeiner ihn wenigstens ab und an einfach mal machen ließen.

(Quelle: ISBN 978-3-440-13410-8 „Der Mensch-Hund-Code“ von Günther Bloch und Elli H. Radinger)

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