Ein Nachruf auf Stephen Hawking Ikone der Astrophysik und Popkultur

"Ich bin sicher, dass meine Behinderung eine Rolle spielt, warum ich so bekannt bin. […] Ich bin der Archetypus des behinderten Genies. Doch ob ich ein Genie bin, kann bezweifelt werden."

– Stephen Hawking

Stephen Hawking ist tot. Der wahrscheinlich berühmteste Wissenschaftler seiner Zeit verstarb in den frühen Morgenstunden des 14.03.2018 im Alter von 76 Jahren. Auch wenn er sich selbst so nicht beschrieben hätte, lässt sich sagen:

Damit tritt ein genialer Geist von der wissenschaftlichen Bühne, dessen Forschungen die wissenschaftliche Gemeinschaft über Jahrzehnte bereicherten. Mit Stephen Hawking verliert die Astrophysik einen visionären Vordenker, der Generationen von Wissenschaftlern inspirierte. Sie verliert einen Wissenschaftler, der immer wieder versucht hat, seine Gedanken auch für wissenschaftliche Laien aufzubereiten. Dafür stehen seine Bücher „Eine kurze Geschichte der Zeit“ und die Nachfolgebände ebenso wie die Kinderbücher über den Weltraum, die er gemeinsam mit Tochter Lucy schrieb.

Nicht zuletzt verliert die Popkultur eine wichtige Symbolfigur, seine Geschichte wurde schon zu Lebzeiten verfilmt. Er selbst, in seinem Herzen ein berühmter Nerd, hat sich zum Teil der Popkultur gemacht: Er spielte sich selbst in Star Trek, The Big Bang Theory und den Simpsons. Eddie Redmayne verdankt ihm einen Oscar und im Internet finden Sie Anleitungen, wie Sie sich eine Stephen-Hawking-Figur aus LEGO-Steinen bauen können.

Stephen Hawking war ein Überlebenskünstler, denn kurz nach seinem 21. Geburtstag erfuhr er von seiner Krankheit: Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Diese degenerative Nervenerkrankung führt zum Verlust der Kontrolle über die Muskulatur bis hin zur vollständigen Bewegungs- und Atemunfähigkeit. Nur etwa 10% der Betroffenen mit diagnostizierter ALS leben zehn Jahre lang mi der Krankheit, die Hälfte der Betroffenen stirbt bereits nach drei Jahren. Teil der Faszination für Stephen Hawking war sicher auch, dass er 55 Jahre lang mit der Krankheit lebte.

Behindertes …

Seit 1968 saß Stephen Hawking im Rollstuhl, seit 1985 konnte er nicht mehr sprechen. Er kommunizierte mit einem Sprachcomputer, den er per Augenbewegung steuerte.

Die Einschränkungen sah Stephen Hawking stets mit Humor. Er sagte, dass Kopf und Witz ihm das Leben leicht machten. Die Behinderung dürfe den Geist nicht beherrschen, lautet seine Botschaft an alle Menschen mit Behinderung über seinen Tod hinaus. Die Kombination aus Prominenz und Rollstuhl bedauerte er gelegentlich, weil er sich nicht mit Kappe und Sonnenbrille tarnen konnte: „Der Rollstuhl verrät mich.“

Hawking begegnete der Behinderung nicht allein mit Humor, er konnte ihr sogar Positives abgewinnen. Sie hat ihm sein Lebenswerk erst ermöglicht: Im Unterschied zu seinen Kollegen an der Universität musste er nie Vorlesungen für Studienanfänger halten oder sich in endlosen Instituts-Sitzungen langweilen, wie er sagt. Stattdessen konnte er seine gesamte Arbeitszeit darauf verwenden, dem Universum seine Geheimnisse zu entlocken.

... Genie

Mit 37 Jahren wurde Stephen Hawking 1979 auf den renommierten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik berufen, den vor ihm unter anderem Isaac Newton innehatte. Seit Ende der 1960er Jahre machte Stephen Hawking in der Fachwelt mit spektakulären Theorien auf sich aufmerksam. Sein erster Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“ und alle folgenden, populären Bücher sorgten für weltweites Aufsehen. Das ist umso erstaunlicher, weil Hawkings Theorien schon in der allgemein-verständlichen Variante komplex sind.

Stephen Hawkings Forschung zeichnete sich durch wissenschaftliche Präzision ebenso aus wie die Lust an den großen Fragen. Ihm reichte es nicht, eine Formel zu beweisen oder einen Zusammenhang herzustellen. Regelmäßig dachte er über die grundlegenden Rätsel der Wissenschaft nach. Zu seinen Themen gehörten der Aufbau und die Entwicklung des Universums, das Wesen von Zeit und Unendlichkeit sowie die Zukunft der Menschheit. Sein Ziel war es, das Universum vollständig zu verstehen, sein Wesen zu begreifen und es zu beschreiben.

Am bekanntesten sind Hawkings Arbeiten zu schwarzen Löchern. Hier stellen seine Erkenntnisse die Kosmologie, die Wissenschaft vom Weltraum als Ganzem, vor große Herausforderungen. Hawking bewies, dass Schwarze Löcher nicht schrumpfen, aber wachsen können. Damit gilt allerdings, dass Schwarze Löcher über Entropie verfügen.

Das Rätsel der Schwarzen Löcher

Entropie beschreibt die Tendenz eines Systems, unorganisierter zu werden, z. B. Wärme abzugeben, und sich langsam aufzulösen. Vereinfacht gesprochen kann ein System stabil sein oder sich auflösen.

Ein Schwarzes Loch, das über Entropie verfügt, kann verdampfen. Das stellt die Kosmologie vor ein Problem: Wenn ein Schwarzes Loch verschwindet, verschwindet auch die Energie und die Materie, die es im Laufe der Zeit eingefangen hat. Das verstößt gegen den Energie-Erhaltungssatz. Demzufolge kann im Universum Energie (und Materie als Form von Energie) nicht verschwinden, nur in andere Zustände übergehen.

Hawkings Überlegungen sind seit den 1970er Jahren eine große Herausforderung für die Kosmologie. Stephen Hawking selbst arbeitete bis zuletzt daran, diesen Widerspruch durch eine bessere Theorie aufzulösen. Er war von seinen Lösungen, wenn er sie publizierte, immer überzeugt. Ein Teil seiner Größe resultierte aber auch daraus, dass er sich korrigierte, wenn man ihm einen Fehler nachweisen konnte. In seinen letzten Arbeiten versuchte er, ein neues Verständnis von Schwarzen Löchern zu entwickeln, das den Verstoß gegen den Energie-Erhaltungssatz vermeidet.

Die Forschungen Hawkings werden unser Verständnis des Universums noch lange auf den Prüfstand stellen. Ihm gelang es, die große Frage nach der Existenz des Universums zu stellen und gleichzeitig detaillierte Argumente für seine Antworten anzuführen. Das machte ihn zu einem Vordenker für unser Bild vom Universum und vielleicht zu einem Genie, das mehr sieht als die Schulweisheit.

Zum Weiterlesen

Die Erde fliegt mit 107.208 km/h um die Sonne?

Stimmt! Und sie kann sogar noch schneller werden...

Mars — der rote Planet

Alles Wichtige über den Mars erfahren Sie hier.

Was ist eine Mondfinsternis?

Was Sie über den Mond wissen sollten

Der Mond

Warum nimmt er zu und ab?

Wo ist Norden?

Norden finden mit den Sternen

Rekordjagd der Giganten

Was ist das schwerste Objekt im Universum?

Top

Sternenhimmel beobachten

Der Gratis-Kurs für Einsteiger

Wie uns der Mond zum Urknall bringt

Der Mond weckt Begehrlichkeiten bei Astronomen.

Gunther Schulz im Gespräch

Der Astronomie-Illustrator erzählt von seiner Liebe zur Wissenschaft.

Top

Was ist eine Sonnenfinsternis?

Wie entsteht eine Sonnenfinsternis und wo kann ich sie am besten sehen? Die Antworten...

Lichtverschmutzung – Wenn die Nacht zum Tag wird

Was sie für uns und die Natur bedeutet. Mehr erfahren.

Milchstraße – gesucht

Lichtverschmutzung – Was Sie dagegen tun können.

Risse im marsianischen Schlamm

Kamerabilder des Roboters zeigen Strukturen auf dem Mars, die in ihrer Anordnung...

Ein neuer Stern im Schwan

Jeder Blick in den Himmel fasziniert. Dennoch scheinen die Sterne im All...

Experimentieren – aber sicher

Die wichtigsten Regeln beim Experimentieren für Kinder, zum Ausdrucken und Aufhängen....

Stephen Hawking – Ein Nachruf

Eine kurze Geschichte des kosmologischen Genies.

Ein Teleskop in den Lüften

Das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie SOFIA. Dabei handelt es sich...

Neutronensterne und die Natur des Lichts

Neutronensterne sind spannende astronomische Objekte. Sie entstehen auf zwei...

Exomars und der Trace Gas Orbiter

Im Rahmen des ExoMars-Projekts der European Space Agency (ESA) und der russischen...

Wie züchte ich Triops?

Urzeitkrebschen sind Lebenskünstler und brauchen nicht viel, um zu wachsen.

Durch Experimentieren die Natur entdecken

Die Natur aktiv zu erforschen, stärkt Kinder und erweitert ihr Wissen.

Wie finde ich ein Teleskop?

Bei der Wahl des richtigen Teleskops gibt es einiges zu beachten.

Erneuerbare Energien in Deutschland

Unser Energiebedarf kann umweltschonend erzeugt werden. Aber wie funktioniert das?

Schnitzen mit Kindern

Mit diesen einfachen Regeln liegt das Schnitzmesser sicher in der Hand.

Mehr über Hawkings Leben und Theorien

Einfach Hawking!

Geniale Gedanken schwerelos verständlich

Taschenbuch
Rüdiger Vaas

14,99 €

inkl. MwSt. zzgl. Versand

  • Hawking für Neugierige – schwerelos verständlich!
  • Die großen Fragen über das Universum – unterhaltsam und kurzweilig beantwortet.
  • Mit cleveren Illustrationen und spielerischem Wissensquiz.
211x148x14mm (LxBxH)
1. Auflage 2016
Umschlag/Ausstattung: 58 Farbzeichnungen, 5 SW-Zeichnungen, Bindeart: Klappenbroschur (2 Klappen)
Seiten: 128
EAN: 9783440156247
Art.-Nr.: 15624