Exoplaneten: Wer beobachtet die Beobachter?

Seit 1992 die ersten Planeten um den Pulsar PSR 1257+12 entdeckt und bestätigt wurden, ist die Suche nach Exoplaneten zu einem der Hauptzweige der modernen Astronomie geworden. Von besonderem Interesse sind dabei die fernen Sterne, die Bedingungen für Leben auf den sie umkreisenden Planeten bieten.

Da es lange Zeit nicht möglich war (und heute auch nur mit größerem Aufwand durchführbar ist), Exoplaneten direkt mit einem Teleskop zu beobachten, nutzt man noch heute vor allem drei indirekte Methoden, um sie aufzuspüren. Dabei macht man sich zunutze, wie der Planet die messbaren Parameter des Sterns beeinflusst. So kommt den Astronomen beim Einsatz der Transitmethode zugute, dass die Helligkeit des fernen Muttersterns messbar abnimmt, wenn der Planet zwischen ihm und der Erde entlangzieht, und danach wieder zunimmt. Die Radialgeschwindigkeitsmethode nutzt hingegen die Tatsache, dass sich Stern und Planet(en) um einen gemeinsamen Masseschwerpunkt bewegen und somit der Stern auch eine minimale Bewegung aufweist. Weiterhin wird bei der Gravitational-microlensing-Methode genutzt, dass der zu untersuchende Mutterstern das Licht hinter ihm liegender Hintergrundsterne verstärkt, während er sich vor ihnen entlang bewegt. Wird diese Bewegung durch Planeten beeinflusst, ist dies in typischen Ausschlägen der Messkurven zu erkennen.

Neben weiteren indirekten Methoden konnte mit Hilfe der immer besser werdenden Beobachtungstechnik 2004 auch erstmals ein Exoplanet direkt beobachtet werden. Dieser ist 225 Lichtjahre entfernt und umkreist den Braunen Zwerg 2M1207.

Mit Hilfe verschiedener erdgebundener Teleskope und Weltraumteleskope wie Kepler konnten so seit 1990 insgesamt über 3660 Exoplaneten in mehr als 2700 Systemen entdeckt werden, wobei zusätzlich noch mehrere Tausend Planeten auf eine Bestätigung warten und bisher nur als Kandidaten gelten.

Ein Team um den Astronomen Robert Wells von der Queen’s University Belfast hat nun den Spieß einmal völlig umgedreht und wagt eine komplett neue Perspektive. Sie stellten sich die Frage, auf wie vielen fernen Planeten außerirdische Beobachter überhaupt in der Lage wären, die Erde zu entdecken. Dabei erstellten sie eine Karte, in der sie eine sogenannte „Transitzone“ einzeichneten. In dieser Zone liegen laut Wells Exoplaneten, von denen aus ein Transit vor unserer Sonne beobachtbar wäre. Dabei beschränkten sie sich auf Transits der inneren Planeten unseres Sonnensystems, da sie aufgrund ihrer Sonnennähe deutlich häufiger vor der Sonne vorüberziehen als die äußeren Gasplaneten.

Laut ihrer Berechnungen hat ein außerirdischer Beobachter so eine Chance von 1:40, um mindestens einen Planetentransit zu beobachten. Die Wahrscheinlichkeit, zwei Planeten zu beobachten, sinkt jedoch schon um das Zehnfache; drei Planetentransits sind weitere zehn Mal unwahrscheinlicher.

Von den Tausenden bekannten Exoplaneten identifizierten die Forscher 68, auf denen Beobachter mehr als einen Planetentransit in unserem Sonnensystem sehen könnten.

Gerade einmal neun Planeten – HATS-11b, 1RXS 1609b, LKCA 15b, WASP-47b/c/d/e, WASP-68b und WD 1145+017b – liegen auf der erstellten Karte innerhalb der idealen Transitzone. Einziger Knackpunkt: Keiner dieser Planeten unterliegt Bedingungen, die Leben ermöglichen – soweit wir Menschen wissen.

Vielleicht entwickelte sich auf einem dieser Planeten aber auch ein uns völlig fremdes Leben, das nun neugierig Richtung Erde blickt. Raum für Träumereien gibt diese Untersuchung allemal.

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Die Erforschung der Exoplaneten

Auf der Suche nach den Schwesterwelten des Sonnensystems

Gebundene Ausgabe
Bernhard Mackowiak

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  • Verborgene Sensationen der Forschung.
  • Ein weiterer Schleier des Universums wird gelüftet.
245x178x19mm (LxBxH)
1. Auflage 2015
Umschlag/Ausstattung: 61 Farbfotos, 99 Farbzeichnungen, Bindeart: laminierter Pappband
Seiten: 176
EAN: 9783440146118
Art.-Nr.: 14611