Die Erde der Extreme

Das Leben auf der Erde gleicht, betrachtet man die unzähligen Bedingungen, die es ermöglichten, einem schieren Wunder. Nicht nur liegt die Erde in der habitablen Zone des Sonnensystems, auch die unzähligen „Feineinstellungen“, die zur Entwicklung von Leben notwendig sind, werden auf unsrer blauen Perle erfüllt.

Doch bis sich das Leben im Allgemeinen und der Mensch, der sich Gedanken über das Leben macht, im Speziellen, entwickelte, vergingen Äonen, in denen es überraschend unwirtlich auf der Erde zuging. Extreme tektonische Vorgänge und Klimakatastrophen ungeahnter Ausmaße versetzten der Entwicklung des Lebens ein ums andere Mal Rückschläge.

So fanden Klimaforscher heraus, dass  unsere heute heimelige Welt vor rund 700 Millionen Jahren eine komplett andere war. Zu dieser Zeit war sie mit einem fast durchgehenden Eispanzer bedeckt. Nicht zu Unrecht wird diese Phase der Erdentwicklung auch „Schneeball-Erde“ genannt.

Unfassbare 60 Millionen Jahre lang herrschten diese eisigen Verhältnisse an der Oberfläche. Unter dem Eis hingegen ging es alles andere als trist zu: Tektonische Prozesse blieben vom Eispanzer unbeeindruckt und so bot sich ein nahezu unwirkliches Bild. Wüsten aus Eis so weit das Auge reicht, unterbrochen von feuerspeienden Vulkanen. Im Laufe der Zeit führte diese seltsam anmutende Landschaft jedoch zu einem Effekt, der uns heutzutage nur allzu gut bekannt ist: Schritt für Schritt reicherte sich Kohlendioxid in der Atmosphäre an – der Treibhauseffekt setzte ein. Schließlich – und glücklicherweise – erwärmte sich die Erde genug, um das Eis schmelzen zu lassen.

Doch die Turbulenzen gingen weiter. Nachdem das Eis besiegt war, kippte das Klima ins genaue Gegenteil und aus dem wohligen Treibhaus wurde ein lodernder Ofen. Es herrschte extreme Hitze und unvorstellbare Stürme wühlten die eben erweckte Erde bis auf den Grund der Meere auf.

Und so mussten weitere Jahrmillionen vergehen, in denen sich das Kohlendioxid aus der Atmosphäre wieder im Boden ablagerte und der Treibhauseffekt geschwächt wurde.

So gut die einzelnen Phasen des Erdklimas heute auch erforscht sind; Die Frage nach dem „Warum?“ kann noch immer nicht zweifelsfrei geklärt werden.

Forscher der Harvard-Universität gingen diesem großen Fragezeichen nach und veröffentlichten nun eine Hypothese, nach der ein Höllenfeuer die Eiszeit verursachte. So sollen es sogenannte Flutbasalte gewesen sein, die für ein drastisches Sinken der Temperatur gesorgt haben. Bei Flutbasalten handelt es sich um extreme Mengen basaltischen Magmas, das  an die Oberfläche kommt und dort gewaltige Lavadecken bildet. So war beispielsweise der Flutbasalt des Sibirischen Trapps einer der Gründe für das Massenaussterben vor etwa 250 Millionen Jahren. Und so vermuten die Harvard-Forscher, dass auch im Falle der Schneeball-Erde Flutbasalte eine wichtige Rolle spielten. Im Gegensatz zum Sibirischen Trapp, der eine enorme Fläche einnimmt, ziehen sie bei diesem Szenario jedoch die flächenmäßig kleineren Franklin-Basalte in Betracht. Viel mehr ihre Meereslage soll es gewesen sein, die die Katastrophe bewirkte, da unter der dicken Salzschicht des verdampften Wassers Gips lagerte. Beim Kontakt dieses schwefelhaltigen Minerals mit heißer Lava wurde der Schwefel freigesetzt und konnte in die Stratosphäre gelangen. Dort könnte es, so die Forscher, in Form von kleinen Tröpfchen eine so helle Schicht gebildet haben, dass das Sonnenlicht wie an einem weißen Tuch reflektiert wurde. Aufgrund der damaligen äquatornahen Lage der Basalte kühlte sich zunächst diese Region, schließlich sogar die ganze Erde, innerhalb von wenigen Jahren so stark ab, dass eine 60 Millionen-jährige Eiszeit folgte.

Inwiefern dieser leicht exotische Erklärungsansatz den Tatsachen entspricht, können nur zukünftige Forschungen zeigen. Eines zeigt er jedoch mehr als deutlich: Wir Menschen sind den feinsten Parametern des Klimas unterworfen – nicht andersrum. 

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