Himmelsereignis im November 2019

Merkur vor der Sonne

Am 11. dieses Monats können wir uns über einen Merkurtransit freuen. Ein solches Ereignis tritt nur 13 bis 14 Mal pro Jahrhundert ein und eignet sich besonders gut, um sich das Gefüge unseres Sonnensystems räumlich vorzustellen.

Findet aus unserer Sicht ein Merkurtransit statt, stehen Sonne, Merkur und die Erde in einer Linie. Vergleichbar ist diese Konstellation mit der einer Sonnenfinsternis; hier schiebt sich jedoch der Mond zwischen Erde und Sonne und verdeckt unser Tagesgestirn ganz oder teilweise. Bei einem Merkurdurchgang schiebt sich hingegen Merkur zwischen Sonne und Erde, man spricht von unterer Konjunktion. Aufgrund seiner viel größeren Entfernung zu uns ist der Planet nur als winziges Pünktchen vor der Sonnenscheibe auszumachen.

Da Merkur in etwa 88 Tagen einmal die Sonne umläuft, „überholt“ er die Erde auf seiner weiter innen gelegenen Bahn alle 108–130 Tage. Dass wir allerdings nicht bei jedem Überholmanöver einen Merkurtransit sehen, liegt daran, dass die Bahn von Merkur um 7° gegenüber der Erdbahnebene (Ekliptik) geneigt – wie zwei leicht gegeneinander geneigte Ringe mit gemeinsamem Zentrum, der Sonne. Aufgrund dieser Neigung zieht Merkur aus unserer Sicht meist ober- oder unterhalb der Sonnenscheibe entlang. Die einzige Ausnahme bilden die sogenannten Knotenpunkte, auch Bahnknoten. Diese Bahnknoten sind die zwei Punkte, an denen die Merkurbahn die Ebene der Erdbahn kreuzt. In unserem Ringbeispiel wäre das so, als würde der Erdbahn-Ring auf einer Wasseroberfläche (= Erdbahnebene) schwimmen. Der leicht geneigte Merkurbahn-Ring wäre dann zu einer Hälfte unter Wasser, zur anderen Hälfte über Wasser. Und die beiden Punkte, in denen der Ring „auftaucht“ bzw. „abtaucht“ – er also die „Wasseroberfläche“ unseres Sonnensystems durchstößt – sind die Knotenpunkte. Und nur wenn beide Faktoren zusammentreffen – untere Konjunktion (Sonne–Merkur–Erde) in der Nähe eines Knotenpunktes –, können wir auf der Erde einen Merkurtransit beobachten.

Im Laufe der Zeit wurden vier sogenannte Kontaktpunkte als wichtig herausgestellt, um einen Transit zeitlich genau zu erfassen. Sie richten sich nach der Bewegung des Planetenpünktleins über die Sonnenscheibe – von links nach rechts; von Ost nach West. Vom 1. Kontakt spricht man, wenn das Merkurscheibchen erstmals den Sonnenrand von außen berührt. Dementsprechend ist der 2. Kontakt dann, wenn Merkur erstmals vollständig vor die Sonnenscheibe gewandert ist und den Sonnenrand von innen berührt. Wer nun ganz aufmerksam weiter beobachtet, wird eventuell feststellen, dass das Planetenscheibchen kurzzeitig scheinbar tropfenförmig in die Länge gezogen wird, man spricht vom Tropfenphänomen, engl. black drop effect. Umgekehrt – zum Ende des Transits hin – kommt es zum 3. Kontakt, wenn das Merkurscheibchen den Sonnenrand wieder erreicht hat und ihn berührt; auch hier kann es zum Tropfenphänomen kommen. Im 4. Kontakt berührt das Planetenscheibchen schließlich letztmalig den äußeren Sonnenrand und löst sich schließlich von ihm. Der Transit ist vorbei. Zusätzlich wird oftmals auch der Zeitpunkt der maximalen Phase angegeben – dann hat Merkur den geringsten Abstand zum Sonnenscheibenmittelpunkt.

Am 11. November finden die Kontakte zu folgenden Uhrzeiten (MEZ) statt:

1. Kontakt: 13:35 Uhr

2. Kontakt: 13:37 Uhr

Zeitpunkt maximaler Phase: 16:19 Uhr

3. Kontakt: 19:02 Uhr

4. Kontakt: 19:04 Uhr

Achtung: Auf keinen Fall darf ohne geeignete Filter oder Schutzvorrichtung in die Sonne geschaut werden. Teleskope oder Ferngläser nur mit geprüften Sonnenfiltern benutzen!

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