Winterkarpfen in Spanien

Spanien, und hier speziell der Ebrostausee "Riba Roja" ist seit vielen Jahren ein beliebtes Revier fürs Karpfenangeln. Nach wie vor gilt: Wo in Europa, außer am Ebro kann man schon von Dezember bis Februar erfolgreich auf Karpfen angeln? Unser Produktmanager Ben Boden gemeinsam mit Thorsten Löw in Erinnerungen an damals, als der Ebro langsam "in" wurde ... Und an die dicken Fische, die sie damals an Land zogen.

Fahrt durch die Neujahrsnacht

Freitag Nacht, 23.50 Uhr - nur noch wenige Minuten bis Neujahr. Seit Stunden waren wir auf der Autobahn unterwegs. Unser Ziel war nicht etwa irgendeine Sylvesterparty, sondern der Ebrostausee in Spanien. Nun befanden wir uns also, bei ungemütlichen 2-5 Grad C Außentemperatur im warmen Auto, irgendwo mitten in Frankreich, auf dem Weg nach Mequinenza. Das einzige Fahrzeug, das uns in den letzten 1,5 Stunden entgegenkam war ein einsamer LKW, der uns auch gleich per Lichthupe begrüßte. Schon vor Monaten hatten wir beschlossen die Karpfensaison in diesem Jahr sehr frühzeitig zu eröffnen. Wir hatten wir für uns, unsere beiden Frauen und Bens Kinder einen Bungalow gemietet, der direkt am Rio Segre und nur wenige hundert Meter von der Mündung in den Ebro entfernt liegt. Aufgrund des herrschenden Nachtangelverbots hatten wir uns entschlossen nur tagsüber zu fischen und die Abende gemeinsam mit unseren Lieben zu verbringen. Noch trennen uns jedoch einige hundert Kilometer vom ersehnten Ziel.

Karpfenfieber?

Am frühen Neujahrsmorgen erreichten wir, nach ca. 1450 km, den Ebrostausee.

Zunächst mussten wir uns bei unserem Bungalow-Vermieter anmelden. Nach einer kleinen Irrfahrt durch den Ort standen wir endlich auf deren Gelände. Doch kein Mensch war zu sehen - vielleicht um diese Uhrzeit am Neujahrsmorgen auch zuviel verlangt! Nach einem kurzen Telefonat mit dem Vermieter und einer erneuten Suche nach dem Büro standen wir endlich, völlig übermüdet im kleinen Angelladen und nahmen unsere Angelkarten entgegen. Auf der Fahrt zum Bungalow hofften wir einige Blicke auf den Sees werfen zu können, doch Fehlanzeige! Der Nebel war so dicht, dass man nur wenige Meter weit sehen konnte. Dazu wehte ein leichter, eisig kalter Wind. Irgendwie hatten wir uns das etwas anders vorgestellt, aber es war ja noch früh am Morgen. Nachdem wir den Bungalow begutachtet und einen frischen, heißen Kaffe zu uns genommen hatten, musste Ben schon wieder los um Frauen und Kinder vom ca. 80 km entfernten Flughafen abzuholen. Ich nutzte die Zeit um mich etwas auszuruhen, doch konnte ich trotz der extremen Müdigkeit nicht schlafen – ob es wohl am Karpfenfieber lag?

Endlich geht's los

Am Nachmittag stieß dann der Rest zu uns und 2 weitere Stunden später saßen wir schon wieder im Wagen, diesmal in dem unseres Guides, um eine Erkundungstour um den See zu machen und das Boot abzuholen. Unser Guide zeigte uns einige erfolgversprechende Stellen am See. Mittlerweile hatte der Nebel sich verzogen und mit offenem Mund bestaunten wir die karge Felslandschaft und die gigantischen Ausmaße des Ebrostausees. Mit dem gemieteten Boot ging es dann über den Segre zurück zum Bungalow. Kurze Zeit später saßen wir erneut im Boot um die Angelstellen genauer zu inspizieren. Mit Hilfe des Echolots fanden wir im nahen Uferbereich zwei Kanten, die zwischen 8 und 10 m Tiefe lagen. Dies sollte unser Angelplatz für den ersten Tag werden. Voller Motivation fuhren wir am frühen Abend zum Bungalow zurück. Die geplante verspätete Sylvesterfeier fiel angesichts der bleiernen Müdigkeit dann doch etwas ruhiger aus und relativ bald verschwanden wir in unseren Betten.

Am nächsten Morgen klingelte bereits um 6.00 Uhr der Wecker und wir quälten uns aus den Federn. Der erste Blick aus dem Fenster ließ nichts gutes erahnen. Wir blickten direkt in eine dichte Nebelwand! Nach einem ausgiebigen Frühstück luden wir unsere Angelutensilien ins Boot, warfen den Außenborder an und fuhren langsam durch den dichten Nebel. Glücklicherweise hatten wir unsere Stelle im GPS gespeichert, sonst wäre die Suche wohl ein sinnloses und gefährliches Unterfangen gewesen. Nach 10 min. Fahrt tauchte plötzlich das Ufer vor uns auf und wir bezogen hochmotiviert unseren Angelplatz.

Der erste Ansitz auf Karpfen

Ich befischte rechts eine Kante, welche ungefähr 20 m vom Ufer entfernt lag und eine Tiefe von 8 m aufwies. Ben fischte geradeaus in etwa gleicher Entfernung in 10 m Tiefe. Obwohl wir von einigen Engländern gehört hatten, dass Fischpellets wohl am besten laufen sollten, vertrauten wir wie immer unseren eigenen Boilies.

Bei einer Tasse Kaffee harrten wir bei winterlichen 3-4 Grad C unter dem Schirm der Dinge, die da (hoffentlich) kommen sollten.

Gegen 13.00 Uhr kam dann endlich der ersehnte Biss und nach kurzem Drill konnte ich meinen ersten Ebrokarpfen landen. Mit 5 Pfd. zwar kein Riese, aber ein Anfang war gemacht! Kurz darauf verlor Ben noch einen Fisch durch Schnurbruch am Ufer, worauf wir der Hauptschnur einige Meter 0,50 mm monofiler Schlagschnur vorschalteten. Vereinzelt findet man im See große scharfe Steine, die einer Schnur ganz schön zusetzen können. Ein weiterer Fisch ging uns am Nachmittag durch Ausschlitzen verloren. Ansonsten verlief unser erster Tag ruhig. Gegen Abend packten wir unsere sieben Sachen und fuhren nachdenklich zum Bungalow zurück. Beim Abendessen beschlossen wir auf jeden Fall noch einen weiteren Tag am seitherigen Platz zu fischen und uns dann weiter zu entscheiden.

Tag 2: Nur kleine Karpfen in Spanien

Nach einer viel zu kurzen Nacht empfingen uns am nächsten Tag erneut dichter Nebel und winterliche Temperaturen. Wie gehabt bezogen wir gegen 7.15 Uhr unsere Stelle und platzierten die Ruten. Gegen 11.00 Uhr konnte Ben dann seinen ersten Ebrofisch mit immerhin 19 Pfd. landen. Bis zum Nachmittag fingen wir noch weitere 3 Fische bis 14,5 Pfd. Obwohl es langsam zu laufen schien, waren wir doch etwas irritiert von den teilweise geringen Gewichten der Fische und ich beschloss eine kleine Erkundungstour mit dem Boot zu machen. Bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein fuhr ich den Stausee hinunter, um nach anderen Angelplätzen Ausschau zu halten. Dabei machte ich mir viele Gedanken, vor allem, ob es schon Sinn machte den Platz zu wechseln oder wir doch noch warten sollten etc. Unterwegs fand ich einige interessante Stellen, jedoch mit teilweise extremen Hindernissen in Form von versunkenen Bäumen oder Büschen.

Endlich ein dicker Fisch an der Angel

Nach ungefähr einer Stunde fuhr ich wieder zum Platz zurück. Unterwegs schoss mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf: Ob es wohl Sinn macht die Köder einfach etwas weiter draußen anzubieten? Obwohl ich vorher im Freiwasser keine besonderen Veränderungen des Grunds feststellen konnte, beschloss ich eine Rute weiter hinaus (auf ca. 120 m vom Ufer) zu schleppen.

Bereits nach 20 min. bekamen wir einen Biss am neuen Platz und Ben konnte einen knapp 15-pfündigen Schuppenkarpfen landen. War es Zufall, dass an der neuen Stelle innerhalb solch kurzer Zeit ein Fisch gebissen hatte oder zogen die Fische tatsächlich weiter draußen entlang? In Windeseile beköderte ich den Haken neu und schleppte die Rute erneut hinaus. Als ich gerade zurückruderte, rief mir Ben am Ufer irgendetwas zu, was ich zunächst nicht verstand. Kurz darauf sah ich ihn zur Rute hechten und einen Anhieb setzen. Das kann doch nicht wahr sein, die Rute lag höchstens 3 min. am Platz! So schnell ich konnte ruderte ich mit dem Boot zurück, übernahm die Rute und nach hartem Kampf durchbrach ein großer Schuppi die Oberfläche um etwas später unseren Kescher von innen zu sehen. Die Waage bestätigt anschließend unsere Einschätzung – 32 Pfd. geballte Kraft sind unser! Wir waren total happy über unseren Fang! Nach nicht einmal 15 Stunden Angelzeit bereits den ersten „Dicken“ im Kescher zu haben, hätten wir nicht erwartet. Während des Abbauens fingen wir noch einen weiteren Karpfen und packten zufrieden zusammen. Die Frage des Platzwechsels hatte sich nun endgültig erledigt. Zurück im Bungalow musste nach diesem gelungenen Angeltag erst einmal eine Flasche Sekt daran glauben.

An dieser Stelle übergebe ich an Ben, der uns erzählt, wie es weiterging.

Der beste Tag des Jahres?

Wir hatten nun endgültig die Erfolgstaktik gefunden: Die Ruten wurden einfach auf ca. 120 Meter hinausgeschleppt und hier dann abgelassen. Dabei verwendeten wir außer dem Boilie als Hakenköder noch 10-15 weitere Boilies im PVA-Sack als Anfutter und sonst nichts. Ich weise darauf besonders hin, weil wir immer darauf hingewiesen wurden, viel zu füttern und Pellets als Hakenköder zu verwenden. Wir können dies absolut nicht bestätigen und haben in unserer Angelwoche mit Sicherheit am besten von allen Angeltouristen gefangen.

So kam nun also dieser 04. Januar und, angespornt durch den „Dicken“ vom Vortag hoffte ich nun auch langsam auf einen kapitalen Fang. Der Tag begann wie jeder andere Tag mit Nebel und ca. 3 Grad Außentemperatur, das Wasser hatte 9 Grad. Da wir uns bei allen Angelreisen die in weit entfernte Gegenden gehen beim Drillen abwechseln, war als nächster wieder Thorsten dran. Die Karpfen begannen früh zu beißen und so hatten wir bis Mittag bereits 3 Fische und als nächster war ich nun dran. Ich werde nie vergessen, dass es 11.30 Uhr war, als der Bissanzeiger aufheulte. Schon beim Anhieb merkte ich großen Widerstand. Während des Drills vermutete ich zeitweise einen Wels, da ich immer wieder Schläge in der Rutenspitze spürte. Allerdings ließ mich der verwendete Boilie daran zweifeln, denn es war ein „red-birdy“, also ein eher fruchtiger Boilie auf Vogelfutter-Basis. Nach einem relativ langen Drill kam der Fisch in Ufernähe das erste mal an die Oberfläche und wir sahen beide den größten Schuppenkarpfen unserer bisherigen Anglerlaufbahn. Mir zitterten zugegebener Maßen spätestens jetzt die Knie, denn diesen Fisch wollte ich um keinen Preis mehr verlieren. Endlich war es geschafft. Die Messungen ergaben einen Schuppenkarpfen von einem Meter Länge und 42 Pfund Gewicht. Tja, für mich war dies wohl schon der beste Tag des Jahres, auf jeden Fall war der Urlaub spätestens jetzt ein voller Erfolg und es sollte noch weiter gehen.

Der Erfolg blieb uns treu

Wir änderten unsere Taktik nicht mehr und blieben auch weiterhin überaus erfolgreich. Zwar konnten wir den großen Schuppi nicht mehr toppen, aber jeden Tag fingen wir noch einen Karpfen über 15 Kilo, dabei sorgte der Zufall dafür, dass die großen Fische tatsächlich ausgeglichen auf mich und Thorsten verteilt waren.

Ich bin zwar kein Freund von Statistiken, aber in diesem Fall muss ich eine Ausnahme machen:

Wir fingen in effektiv 44 Angelstunden 33 Karpfen, Ausnahmslos Schuppis, davon war einer über 40 Pfund, drei weitere über 30 Pfund und sieben über 20 Pfund. Für uns war es der gelungenste Saisonauftakt aller Zeiten.

Einige Dinge möchte ich noch anmerken: Die meisten Fische fingen wir auf "garlic-fish"-Boilies, also Boilies auf Fischmehlbasis mit frischem Knoblauch als Lockstoff. Die größten fingen wir jedoch, bis auf eine Ausnahme, mit "red-birdy", also eher fruchtigen Boilies. Wir fischten gar nicht mit Pellets und nutzten zur Anfütterung lediglich einen PVA-Beutel.

Unser Angelplatz befand sich im Staubecken Riba-Roja, und zwar da, wo der Segre und der Ebro zusammenfließen. Da der Segre sehr kaltes Wasser führt, der Ebro aber ziemlich warmes, bildet sich hier Mischwasser. Dies waren natürlich hervorragende Umstände. Das Wetter soll eigentlich in dieser Jahreszeit besser sein, als von uns beschrieben und eigentlich glaube ich dies auch, denn sobald man den See mehr als 15 Kilometer hinter sich ließ, gab es Sonnenschein pur mit 15 Grad. Alles in allem ein lohnendes Abenteuer!

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