Angeln auf Rotaugen — Taktiken im Test

Rotaugenangeln ist feines Angeln, wie schon der Artikel zur Technik des Rotaugen-Angelns zeigt. Wie fein, verrät die Specimen Hunting Group Dortmund in ihrem Bericht: Angeln auf Rotaugen. Profitieren Sie von den Praxistipps der Rotaugen-Experten.

Rotaugen beißen fein, feiner, am feinsten

Zu feines Angeln fällt mir immer eine Passage aus meinem Lieblingsbuch über das Angeln ein:

Darin beschreibt Richard Walker, Urvater des Specimen Huntings, wie er große Rotaugen fängt. Dazu schnitt er sich zunächst aus einem Korkstück ein Stückchen, etwas größer als ein Getreidekorn, heraus, das als Pose diente! Diese winzige Minipose wurde ohne Beschwerung auf die Schnur geklemmt. Ein Austarieren dieses Winzlings war nicht notwendig. Walker fischte auf Sicht mit einer kurzen Rute aus sicherer Deckung heraus direkt unter der Rutenspitze. Als Köder dienten Bachflohkrebse. Die Rotaugen bissen so fein, dass selbst diese Minipose kaum unterging. Um es abzukürzen: Walker fing an diesem Tag 6 Rotaugen, alle über zwei Pfund!

Ich war von der Einfachheit, aber genialen Idee dieser Ausführung des Angelns total begeistert. Und nicht selten träumte ich von einem derartigen Rotaugenfang.

Der Traum sollte Wahrheit werden. Es dauerte zwar noch etliche Jahre, bis der Tag X da war und einige Parallelen zu Walkers Fang waren ganz klar gegeben.

Angeln auf Rotaugen — Der Bericht

Es war an einem Freitag im Januar. Der Himmel war bedeckt und es war diesig, der Wind wehte leicht aus Südwest: Rotaugenwetter! Gerade für das Gewässer, das ich beangeln wollte, waren das ideale Witterungsbedingungen.

Da ich bis in die Dunkelheit hinein fischen wollte, beschloss ich, mittags am Gewässer zu sein. Ich hatte mich schon seit einigen Wochen an diesem Teil des Flusses festgebissen und wollte es wissen. Bisher waren die Erfolge bescheiden, aber die gefangenen Fische waren recht stattlich.

Am Wasser angekommen, wählte ich eine andere Stelle als sonst. Ich ging ein paar Meter weiter flussabwärts. Dort entdeckte ich eine Stelle am anderen Ufer, wo eine dichte Buschreihe am Ufer flussabwärts wucherte. Ich wählte genau die Kopfstelle, also den Beginn dieser Buschreihe, als Angelstelle aus.

Meine Taktik bestand darin, es zunächst erst einmal nur mit losem Anfutter zu versuchen. Ich hatte mich mit reichlich Maden eingedeckt. Demnach war dann meine ers­te Handlung, die Maden auf die andere Seite zu befördern. Dazu benutzte ich eine Madenschleuder mit einem größeren Körbchen. Ich schoss etwa gut einen dreiviertel Liter Maden hinüber in die Zweige der Büsche, durch die dann die Maden in das Wasser rieselten.

Grundangeln auf Rotaugen

Mein Gerät bestand zunächst aus einer Grundrute mit einer für leichte Fließgewässer geeigneten Schwingspitze als Bissanzeiger. Die kleine Stationärrolle war mit 20er Schnur gut befüllt. Die Schnur mag zwar manchem Angler dick vorkommen, aber aufgrund des dichten Bewuchses in diesem Teil des Flusses war man gut beraten, die Schnur nicht zu dünn zu wählen. Den gehakten Fischen sollte man hier keinen unnötigen Raum beim Drill gewähren, denn sie versuchen stets, in das dichte Astwerk, was auch unter Wasser seine Verbreitung findet, zu flüchten. Und neben den starken Rotaugen war immer mit einem sehr kapitalen Döbel zu rechnen.

Trotz der "dicken" Schnur entschloss ich mich, einen 16er, starkdrahtigen Haken anzubinden. Als Montage verwendete ich eine einfache Seitenbleimontage. Ich zog vorsichtig zwei Maden auf den Haken und warf direkt vor die Buschreihe.

Das Anfutter zeigte Wirkung, denn schon kurze Zeit nach dem ersten Auswurf signalisierte mir der Ausschlag der Schwingspitze den ersten Biss. Nach erfolgreichem Anschlag drillte ich das erste kapitale Rotauge, welches sicher gelandet wurde. Die Waage pendelte sich bei 1 1/2 Pfund ein. Ein guter Start! Es folgten eine Reihe ansehnlicher Rotaugen bis 1 Pfund 300 g.

Da die Rotaugen immer wieder Beißpausen einlegten, schaute ich mir das eigene Ufer etwas genauer an. Dabei fiel mir eine Stelle etwas weiter links von mir, etwa 5 Meter entfernt, ins Auge. Dort war das Ufer steil abgebrochen und unterhöhlt, aber ein kleinerer Busch klebte trotzig an diesem steilen Ufer. Deutlich konnte ich sehen, wie die Äste sich unter Wasser ausbreiteten. Hinter dem Busch standen die Überreste alter Versuche, das Ufer zu befestigen.

Spontan entschloss ich mich, an diesem Busch dosiert mit ein paar Maden anzufüttern, um später dort mit der Pose zu angeln. Ich warf etwa alle 15 Minuten 5 bis 6 Maden cirka 1 Meter vor den Busch ein.

Posenangeln auf Rotaugen

Nach zwei Stunden Wartezeit montierte ich die Posenrute. Es war eine feinnervige Stipprute mit Spitzenaktion. Die Rolle war auch diesmal mit 20er Schnur befüllt.

Da der leichte Wind stromauf wehte und die Strömung sehr langsam war, entschloss ich mich, als Pose einen feinen Stick zu nehmen, der sensibel genug ist, feinste Bisse anzuzeigen. Sorgfältig lotete ich die Wassertiefe aus und entschloss mich, zunächst etwa 30 cm über Grund den Köder anzubieten. Der Fluss ist hier nicht besonders tief, in der Regel keine zwei Meter. Ich bleite den Stick mit in der Größe abgestuften Bleischroten als Kette in etwa auf der halben Angeltiefe aus. Die letzten zwei Bleischrote waren zwei winzige Bleischrote, "micro-dust" – Staubkörnchen – wie es der Engländer ausdrückt.

Nach zwei Stunden Wartezeit montierte ich die Posenrute. Es war eine feinnervige Stipprute mit Spitzenaktion. Die Rolle war auch diesmal mit 20er Schnur befüllt.

Da der leichte Wind stromauf wehte und die Strömung sehr langsam war, entschloss ich mich, als Pose einen feinen Stick zu nehmen, der sensibel genug ist, feinste Bisse anzuzeigen. Sorgfältig lotete ich die Wassertiefe aus und entschloss mich, zunächst etwa 30 cm über Grund den Köder anzubieten. Der Fluss ist hier nicht besonders tief, in der Regel keine zwei Meter. Ich bleite den Stick mit in der Größe abgestuften Bleischroten als Kette in etwa auf der halben Angeltiefe aus. Die letzten zwei Bleischrote waren zwei winzige Bleischrote, „micro-dust“ – Staubkörnchen – wie es der Engländer ausdrückt.

Vorsichtig schlenzte ich mit einem Unter­armwurf den Stick aus und ließ ihn dann abtreiben. Er trieb genau vor einen Ast, der bündig mit der Wasseroberfläche lag. Das war praktisch, denn die Strömung war so schwach, dass er optimal zum Stehen kam, die Spitze war noch gut sichtbar. Ich warf fünf Maden ein. Urplötzlich wurde die Pose leicht nach unten gezogen, tauchte aber wieder auf. Mir klopfte das Herz, die Spannung stieg. Da, leicht wurde die Pose erneut nach unten gezogen – Anschlag – der Fisch war gehakt. Aufgrund der Spitzenaktion bog sich die Rute deutlich, dem Widerstand nach zu urteilen, handelte es sich um keinen kleinen Fisch. Nach kurzem, aber hartem Drill war der Fisch im Unterfangkescher: ein riesiges Rotauge! Die Waage zeigte exakt zwei Pfund an, das war zu dieser Zeit neuer Gruppenrekord!

Die Freude war riesig und euphorisch warf ich erneut die Pose aus. Vorher hatte ich ein Knicklicht auf der Pose montiert, denn es war schon recht dunkel. Ich klemmte noch im oberen Bereich der Bleikette zusätzlich ein größeres Schrotkorn ein, damit die Pose noch besser zu sehen war.

Die Montage und Anfuttertaktik arbeiteten perfekt. Ich konnte noch einige stattliche Exemplare an Rotaugen fangen, darunter noch zwei weitere Rotaugen von zwei Pfund und etwas darüber.

Dies war zugleich der Beginn einer Fangstrecke an diesem Gewässer, der uns weit in unserer Gruppenarbeit nach vorne brachte, da wir einige grundlegende Erkenntnisse dieses Gewässers durchschaut hatten.

Fazit: Angeln auf Rotaugen — Die richtige Taktik

Wenn man das Arbeiten mit dem Stick kritisch betrachtet, könnte man anmerken, dass die Pose nicht den Regeln entsprechend geführt wurde, da sie gegen einen Ast lief und praktisch stehen blieb. Doch glaube ich im Nachhinein, dass dies genau die richtige Taktik war, da die Pose zweckmäßigerweise gehalten wurde. Und das ist nicht anders, als wenn die Pose ganz normal zurückgehalten wird.

Wir erwähnen diese Situation deshalb, weil beim Einsatz einer Pose nachfolgender Grundsatz nicht außer Acht gelassen werden sollte: Jeder Pose ist in ihrer Wirkungsweise Grenzen gesetzt und sie wird auch nur hundertprozentig für den angedachten Einsatz funktionieren.

Es macht wenig Sinn, eine Strömungspose im Stillwasser einzusetzen und auf Erfolg zu hoffen. Wir möchten an dieser Stelle aber gleichfalls darauf hinweisen, dass es Posen gibt, die in beiden Gewässern ihren „Dienst“ einwandfrei erledigen.

Rotaugenangeln ist komplex, insbesondere dann, wenn es sich um sehr große Rotaugen handelt. Wir haben hier beispielhaft sehr kompakt aufgezeigt, wie ein Weg aussehen kann.

Es gibt unzählige Wege. Welcher Weg der richtige ist, kann nur durch Experimentieren und Fleiß herausgefunden werden!

Wie dem Berichteten zu entnehmen ist, haben wir mehrere Methoden und Möglichkeiten für das Rotaugenfischen zueinander gestellt: Grundangeln mit der Schwingspitze in leichtem Fließwasser auf der gegenüberliegenden Flussseite, feines Posenangeln direkt am eigenen Ufer im Nahbereich. Einmal wurde viel Anfutter eingesetzt, dann wiederum sehr dosiertes Anfutter. Es wurde loses Anfutter gewählt.

Beide Taktiken gingen an diesem Tag auf, wobei mit dem dosierten Anfüttern die größeren Exemplare gefangen wurden.

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