Angeln auf Hecht Unter diesen Bedingungen beißen Hechte besonders gut

Die Beißphasen der Fische ähneln Schlussverkäufen oder ähnlichen Verkaufsveranstaltungen, zu denen sich auch bei uns Menschen im Nachhinein Katerstimmung (im Portemonnaie) auftut. So unbeherrscht sind Fische wie Menschen natürlich selten. Sonst wären wir Menschen alle pleite, die Fische hätten deutlich öfter „Zahnschmerzen“. Dennoch gibt es besondere Zeiten im Jahr, zu denen die Fische besonders gut beißen und sich auch das Angeln auf Hecht besonders lohnt. Wie auch Sie die Beißphasen des Hechts besonders gut erkennen können, verrät Ihnen Angelpofi Uli Beyer:

Es ist meist eine große Kunst, die Gewässer so zu lesen und zu verstehen, dass wir die Momente der unkontrollierten Fresslust von uns erkennen und nutzen können. Die Gründe für ein solches Verhalten sind vielfältig und werden sehr häufig von der Wassertemperatur, dem Mond, Wetter und dem Eintreten besonderer Ereignisse am Gewässer gesteuert. Wer „sein“ Gewässer besonders intensiv beangelt, wird bestimmt auch solche Momente kennen. Wer derartige Zusammenhänge erkennt, kann sich jedes Jahr wieder auf tolle Angelmomente freuen, denn häufig wiederholen sich diese scheinbar unerklärlichen Ereignisse.

Bei diesen Gelegenheiten lohnt sich das Hechtangeln besonders

Jeder Angler hat einige Phasen im Jahr, wo er mit besonders großer Anspannung und besonderer Erwartung ans Wasser zieht. Das klassische Beispiel dafür ist der Saisonstart, bei uns in NRW der 1. Mai, den sich die wenigsten Hechtangler von uns entgehen lassen. Die Masse der Räuber hatte sehr lange Ruhe vor uns und beißt häufig für einige Tage, manchmal auch Wochen, ausgesprochen gut. Die Ursache dafür sind zwei Gründe:

  1. Fische sind auch "vergesslich" und haben häufig die Vielzahl der unangenehmen Erfahrungen mit unseren Ködern vergessen. Es ist sozusagen unsere "neue, gute Chance". Ich finde es immer wieder höchst erstaunlich, wie sehr schnell die Räuber sich dann doch wieder auf die Gefahren besinnen und höchst vorsichtig werden.
  2. Nach der Laichzeit sind viele Räuber ausgehungert. Während des Laichgeschäftes wird nur an Liebe gedacht und in der Regel nichts oder nicht viel gefressen. Das Schonzeitende liegt häufig sehr kurz nach dem Laichgeschäft und damit haben wir einen „echten, schwachen Moment“ der Räuber. Fische, die wirklich hungrig sind, sind meist deutlich weniger wählerisch! Für Hechte liegt diese Zeit fast immer Mitte April bis Anfang Mai. Fällt der Winter kühl und lang aus, so können wir in der ersten Maiwoche wirklich tolle Hechtfänge in Ufernähe erwarten. In milden Wintern sind die Hechte lange „durch“ und haben bereits Ende April ihren Hunger weitgehend gestillt.

Viele Angler beachten jedoch nicht, dass häufig auch große Fressorgien vor dem Laichen stattfinden. Um  Laich anzusetzen und sich für die lange Fastenperiode ordentlich Kräfte anzufressen, finden häufig umfassende Raubzüge statt. Insbesondere die ersten Wärmeperioden vor der Laichzeit der Hechte sind Momente, in denen die Vorsicht der Räuber deutlich reduziert ist. Angler müssen dann jedoch verantwortungsvoll sein, denn schließlich handelt es sich um die Elterntiere zukünftiger Fischgenerationen!

Unter diesen Bedingungen lohnt sich das Hechtangeln im Fluss besonders

Immer, wenn nach einer längeren Trockenperiode "frisches Nass" in den Fluss gelangt, entsteht eine phantastische Beißphase bei allen Fischen. Mir scheint, wie die wilden Tiere in der Wüste freuen sich auch die Fische im Fluss über den ersten Regen, der ihren Lebensraum wieder freundlicher gestaltet. Die Euphorie unter Wasser lässt alle Fische in der Anfangsphase sehr unvorsichtig werden. "Steigendes Wasser" in Verbindung mit weiteren Fangfaktoren kann magisch wirken!

Mit weiter steigendem Hochwasse rergibt sich eine zusätzliche, große Chance: Auch vorsichtigste Räuber müssen ihre gewohnten Lebensbereiche verlassen und in „Notbehausungen“ unterkommen. Dort, wo sie sonst stehen, wird es äußerst tief, dunkel und meist auch sehr stark strömend. Nach einer wilden Fressphase mit ansteigendem Wasser kommt eine zweite Phase mit tollen Fängen extrem kapitaler Räuber meist mit Verzögerung. Dann, wenn einige Tage Hochwasser durch den Fluss zogen! Wenn das sehr hohe Wasser ruhiger wird und sich die Wassertrübung in den Mündungen zu den Nebengewässern und sonstigen Stillwasserbereichen des Flusses legt, dann kommt eine weitere Sternstunde. Dort, wo das klarere Wasser erkennbar wird, ziehen viele Räuber hin und schlagen sich die Bäuche wieder voll – sie mussten in dem trüben Chaos, sofern es lange genug dauerte, nämlich ordentlich hungern!

Unter diesen Bedingungen lohnt sich das Hechtangeln im See besonders

Auch in vielen Seen gibt es Momente, wo die Euphorie der Hechte groß und deren Vorsicht stark reduziert ist. In der aktiven Fressphase nach der Laichzeit stehen die Räuber direkt vor unseren Füßen und beißen auch dort. Später im Jahr, wenn die Temperaturen ansteigen, ist es eine echte Notsituation, die die Räuber häufig in "Reichweite" bringt.

Gerade extrem kapitale Hechte orientieren sich gern in tiefere Regionen des Gewässers, wenn auch der Futterfisch dorthin abwandert. Mit einsetzender Sauerstoffzehrung bei Hitze müssen die Räuber jedoch wieder zurück zur Oberfläche. So kommt es, dass bei uns im Möhnesee häufig im Hochsommer nach längerer Hitzeperiode zunächst viele kleine Hechte und später auch oft sehr kapitale Hechte überlistet werden.

In Renken-/Maränenseen können wir auch im Herbst/Winter den Räubern noch einmal erfolgreich auf die Schuppen rücken. Maränen laichen meist im November bis Dezember und kommen dann in riesigen Schwärmen aus weit ausladenden Landzungen des Gewässers zum Laichen.

Wie erkenne ich günstige Gelegenheiten zum Hechtangeln?

Häufig ist es nicht leicht, diese "verrückten Momente" sofort zu erklären. In der Regel sind sie jedoch biologisch bedingt. Auch die Bio-Uhr unter Wasser dreht sich im Kreis und lässt sich ermitteln.

  1. Mit einem Thermometer sind wir immer gut informiert, denn meist wiederholt sich ein Schauspiel im Folgejahr bei gleicher Wassertemperatur wieder. Achten Sie darauf, dass Sie die Wasserschichtung berücksichtigen und auch in der Tiefe messen. Bootsangler können natürlich auch anhand des Echolotbildes erkennen, wie sich die Fische unter Wasser verhalten. Auch diese Bilder wiederholen sich auffällig.
  2. Bitte lachen Sie mich nicht aus, aber achten Sie auch auf die Mondphase (zu- oder abnehmend: Neu, Halb- oder Vollmond), um den wirklich gleichen Moment im folgenden Jahr wieder zu treffen. Die Bio-Uhr der Fische ist gezeitengesteuert, auch im Süßwasser! Die Vollmondphase hat immer das Zeug zu einem magischen Moment und bietet deutlich erhöhte Fangchancen für Großhechte.
  3. Passt zum Mond auch noch das Wetter mit einer stabilen Wetterlage (möglichst keine Luftdruckschwankungen), dann haben Sie perfekte Bedingungen für den Fang eines kapitalen Hechtes! Wer diesbezüglich seine Fänge analysiert und schriftlich festhält, wird häufig schon vor dem Ereignis "magische Momente" ansagen können.
  4. Ein leichter Wind ist vorteilhaft. Extrem glattes Wasser macht die Hechte häufig träge und oft auch beißfaul. Die Wassertemperatur sollte unter 20 Grad Celsius liegen und der Vormittag bis neun Uhr ist meistens die optimale Beißzeit.

aus: Uli Beyer/Bertus Rozemeijer: Hecht. Jagd auf den Torpedo-Fisch. Stuttgart 2014. S. 115-118.

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