10 Gedanken zur Hundeerziehung

10 Gedanken zur Hundeerziehung

10 Gedanken zur Hundeerziehung

Dein Hund lernt 24/7

Dein Hund lernt 24/7

Du solltest dir nicht nur beim Training, sondern auch im Alltag immer vergegenwärtigen, dass alles, was du tust oder unterlässt, einen Effekt auf das aktuelle sowie auch auf das zukünftige Verhalten deines Hundes haben kann. Grundsätzlich gilt: Jede Wiederholung eines Verhaltens festigt dieses! Dabei spielt es keine Rolle, ob du das betreffende Verhalten bewusst herbeigeführt hast oder es zufällig entstanden ist. Unerwünschtes Verhalten, das durch einen unsachgemäßen Aufbau, durch Ignorieren oder auch Tolerieren (welches einer Bestätigung gleichkommt) entstanden ist, festigt sich ebenso schnell, wie erwünschtes und bestätigtes Verhalten. Um Fehlverknüpfungen zu vermeiden, musst du dein Training deshalb vorausschauend, umsichtig und systematisch aufbauen und auf nicht erwünschte Verhaltensweisen eingehen.

Ruhephasen sind wichtig!

Ruhephasen sind wichtig!

Dein Retriever ist ein Jagdhund, der beschäftigt und ausgelastet werden möchte. Zugleich besitzt er jedoch – wie jeder andere Hund auch – ein Ruhebedürfnis von ca. 15 bis 20 Stunden pro Tag. Es liegt an dir, die richtige Balance zwischen Ruhe- und Trainingsphasen sowie ein angemessenes Maß an Beschäftigung und Auslastung zu finden. Dabei musst du auch bedenken, dass nicht nur das Training, sondern jegliche Aktivität des Hundes bereits als Beschäftigung gilt. Das Retrievertraining besteht aus einer Kombination von körperlicher Bewegung und kognitiver Leistung. Letztere spiegelt sich vor allem in der Bereitschaft zur Zusammenarbeit, der Konzentration und der Nasenleistung wider. Gerät die Balance zwischen Ruhe- und Aktivitätsphasen durch Dauerbeschäftigung, zu viel Druck in der Ausbildung oder eine zu hohe Erwartungshaltung aus dem Gleichgewicht, führt dies zu Stress! Die freigesetzten Stresshormone (Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin) belasten das Immunsystem, den Magen-Darm-Trakt, die Nieren, den Kreislauf und das Herz deines Hundes. Zudem blockieren sie seine Lernfähigkeit, führen zu einer veränderten Wahrnehmung und steigern seine Reizbarkeit. In der Folge kann es zu erhöhter Aggressionsbereitschaft oder beim Retriever weitaus häufiger zu Hyperaktivität kommen. Wichtig ist deshalb, dass das Training mit deinem Hund euch beiden Spaß macht und seinem individuellen Bedürfnis nach Auslastung, Beschäftigung und Ruhe entspricht!

Konsequenz und Leadership

Konsequenz und Leadership

Freundliche Konsequenz im Handeln sowie klare Regeln für den Alltag und gemeinsame Interaktionen sind die Basis eurer Mensch-Hund-Beziehung. Aus Sicht deines Hundes erweist du dich dann als führungskompetent, wenn du dich ihm gegenüber vertrauenswürdig, besonnen, transparent und vor allem eindeutig verhältst.

Konsequentes Handeln bedeutet: • Klare Regeln aufzustellen und diese im Training, wie auch im Alltag mit deinem Hund einzufordern. • Nichts von deinem Hund zu verlangen, was du nicht auch durchsetzen kannst. • Erwünschtes Verhalten positiv bestätigen und verstärken.

Bietest du deinem Hund Führung und Orientierung, bindet er sich bereitwillig und vertrauensvoll an dich, da das Eingebundensein in einen Familienverband ein wichtiger Bestandteil seines mentalen Wohlbefindens ist. Auch wenn heute nicht mehr angenommen wird, dass das Auf-erhöhter-Position-auf-dem-Sofa-Liegen oder das Zuerst-durch-die-Tür-Gehen eine Frage der Rangordnung ist, sind klar definierte Regeln doch essentiell für eine eindeutige Kommunikation mit deinem Hund.

Kommunikation

Kommunikation

Hunde kommunizieren im Wesentlichen über ihre Körpersprache. Sie verfügen über ein großes Repertoire an Signalen, die in vielfältiger Art und Weise kombiniert werden können. Neben Mimik, Gestik und Bewegungen spielen auch Lautäußerungen und die Kommunikation über Gerüche eine Rolle. Der Schwerpunkt menschlicher Kommunikation liegt hingegen auf verbaler Ebene. Während körpersprachliche Signale im zwischenmenschlichen Bereich weniger differenziert und weitestgehend unbewusst wahrgenommen werden, reagieren Hunde darauf naturgemäß äußerst feinsinnig.

Um Verständigungsschwierigkeiten zu vermeiden, liegt es deshalb an dir, dich auf eine hundegerechte Kommunikation einzustellen!

Verständigung über akustische Signale • Hunde besitzen eine ausgeprägte Bereitschaft zum sozialen Lernen. Deshalb fällt es ihnen relativ leicht, verbale Signale mit dem erwünschten Verhalten zu verknüpfen. • Hunde nehmen beim Hören eines Signals nicht nur den akustischen Charakter wahr, sondern auch die Ton- und Stimmlage. Zugleich beziehen sie die Mimik des Signalgebers mit ein. • Besondere Bedeutung entfaltet die Ton- bzw. Stimmlage bei der Unterscheidung zwischen erwünschtem und unerwünschtem Verhalten. Deshalb lobst du deinen Hund immer mit einer hohen, schmeichelnden Stimme, während du ihn mit einer tiefen, unfreundlich knurrigen Stimme tadelst und korrigierst. Deine Tonlage ist immer dann richtig gewählt, wenn dein Hund die angestrebte Reaktion zeigt. • Die Intensität und Lautstärke deines Signals müssen der Situation angepasst sein, so dass du sie variieren und gegebenenfalls steigern kannst.

Timing

Timing

A & O einer erfolgreichen Kommunikation zwischen Hund und Mensch ist das richtige Timing. Nur wenn im richtigen Moment, also während oder unmittelbar nach dem entsprechenden Verhalten (INNERHALB VON MAX. 2 SEKUNDEN!) eine Bestätigung oder Korrektur erfolgt, kann der Hund diese auch mit dem gezeigten Verhalten in Zusammenhang bringen. Am besten bestätigst bzw. korrigierst du das Verhalten deshalb immer bereits im Ansatz. Nur mit dem richtigen Timing kann das Verhalten des Hundes gezielt geformt werden. Sobald dein Hund aufgrund deiner Korrektur zur erwünschten Handlung ansetzt, spielt das blitzschnelle Umschalten zwischen Lob und Tadel eine wichtige Rolle.

Lernen über Bestätigung oder Belohnung

Lernen über Bestätigung oder Belohnung

Eine Bestätigung oder Belohnung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein erwünschtes Verhalten häufiger und intensiver ausgeführt wird. Zu Beginn eines Lernvorgangs bestätigst du stets jede korrekt ausgeführte Übung. Mit zunehmender Zuverlässigkeit deines Hundes gehst du langsam dazu über, ihn nur noch variabel zu bestätigen, d.h. du bestätigst nur noch jede X-te Ausführung in unvorhersehbarer Reihenfolge.

Prinzipielle Überlegungen • Du bestätigst immer nur eine korrekt ausgeführte Übung! • Du darfst die Belohnung nicht als Lockmittel missbrauchen, da sie ansonsten anstelle des Signals zum Auslösereiz für das erwünschte Verhalten werden kann. • Die Intensität der Bestätigung muss der Aktion und dem Temperament deines Hundes entsprechen. • Häufigere, kurze Trainingssequenzen sind besser als zu lange Trainingseinheiten. Berücksichtige dabei immer, dass die Konzentrationsfähigkeit deines Hundes altersabhängig ist. Welpen und Junghunde können ihre Konzentration nur über eine kurze Zeitspanne aufrechterhalten. • Beginnst du ein neues Verhaltensdetail zu trainieren, achte auf eine möglichst ablenkungsfreie Trainingsumgebung. Mit zunehmender Sicherheit kannst du langsam Ablenkungen in das Training mit einfließen lassen. • Bei deinem Welpen solltest du das verbale Lob immer mit einer für ihn wichtigen Motivation positiv verstärken. Dies kann eine kurze Spielsequenz, eine Streicheleinheit oder auch ein kleiner Leckerbissen sein.

Motivation des Hundes

Motivation des Hundes

Gezieltes Lernen findet nur bei entsprechender Motivation statt. Sie ist Voraussetzung dafür, dass dein Hund die nötige Aufmerksamkeit und Konzentration aufbringt, um die zu erlernende Aufgabe zu meistern.

• Primäre Motivation oder Eigenmotivation Wird dein Hund aus Eigeninitiative aktiv, ist er primär motiviert. Seine eigene Aktivität wirkt bereits selbstbelohnend, so dass er das entsprechende Verhalten öfter zeigen wird. Beispiel: Das Apportierverhalten des Retrievers ist durch züchterische Selektion genetisch verankert. Es ist für ihn i.d.R. ein selbstbelohnendes Verhalten, für das er keine weiteren Anreize benötigt.

Ein primär motivierter Hund lernt meist schneller und lässt sich weniger leicht ablenken.

• Sekundäre Motivation oder Fremdmotivation Wird dein Hund aufgrund äußerer Einflüsse aktiv, ist er sekundär motiviert. Er führt ein bestimmtes Verhalten aus, um etwas für ihn Lohnendes zu erreichen. Beispiel: Gehorsamsübungen wie z.B. das Fußlaufen sind sekundär motiviert. Der Hund führt das erwünschte Verhalten entweder aus, um eine Bestätigung bzw. Belohnung zu erhalten, oder um einer Strafe zu entgehen.

Ein sekundär motivierter Hund lernt nur, wenn sich das erwünschte Verhalten für ihn in irgendeiner Weise lohnt.

Frustrationstoleranz & Impulskontrolle = Steadiness

Frustrationstoleranz & Impulskontrolle = Steadiness

Beide Begriffe haben in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. In der Welt der Retriever sind sie jedoch unter der Bezeichnung Steadiness schon lange bekannt!

Vor dem jagdlichen Hintergrund des Retrievers war und ist die Steadiness seit jeher ein zentrales Erfordernis. Die darauf beruhende Zuchtselektion formte die rassetypische Ausgeglichenheit und Nervenfestigkeit. Dementsprechend bildet sie auch seit über 100 Jahren eine der wesentlichen Grundlagen für die Beurteilung der Arbeit eines Retrievers. Jegliche ungeduldige Verhaltensweise, wie z.B. das Winseln, führt bei allen retriever-typischen Prüfungen zum Ausschluss.

In Bezug auf das tägliche Zusammenleben gewinnen Frustrationstoleranz und Impulskontrolle in unserer zunehmend enger, lauter und hektischer werdenden Umwelt für deinen Hund immer mehr an Bedeutung. Deshalb muss er lernen sich nicht nur während des Trainings, sondern auch in Alltagssituationen zu entspannen, sowie sich ruhig und gelassen zu verhalten. Das Steadiness-Training beginnt deshalb bereits im täglichen Leben. Dabei gibt es eine Vielzahl von Situationen, in denen du die Steadiness deines Hundes trainieren kannst. Sei es beim Warten vor dem gefüllten Futternapf, während des Anziehens vor dem Spaziergang, vor dem Passieren der Haustür, vor dem Herausspringen aus dem Auto oder dem Überqueren einer Straße.

Absichern von Lerninhalten

Absichern von Lerninhalten

Um eine hohe Zuverlässigkeit in der Ausführung eines Signals zu erreichen, musst du dieses im Trainingsverlauf durch Generalisieren absichern.

Helfen statt frustrieren

Helfen statt frustrieren

Erwünschtes Verhalten lässt sich nur über einen positiven Erfolg formen. Über den Erfolg baut dein Hund sowohl Vertrauen in das jeweilige Verhalten als auch in dich als Teampartner auf – mit der Folge, dass er das Verhalten öfter und intensiver zeigt. Bleiben Erfolg und Bestätigung hingegen mehrfach aus, wird das Verhalten für deinen Hund unattraktiv und er wird es nicht mehr anbieten. Deshalb musst du dein Training so gestalten, dass dein Hund IMMER – gegebenenfalls auch mit deiner Hilfe – zum Erfolg kommt und entweder über diesen oder von dir dafür bestätigt wird. Kommt dein Hund nur mit deiner Hilfe zum Erfolg, wiederholst du denselben Trainingsschritt in einer vereinfachten Form und steigerst die Anforderungen erst dann wieder langsam, wenn er diesen Schritt sicher und zuverlässig ausführt. So kann er über den stetigen Erfolg und die entsprechende Bestätigung Vertrauen in sein Verhalten aufbauen und Sicherheit in dessen Ausführung entwickeln.